Walker by Bernd Terlau Version II 1. Tag: Die Ankunft Flughafen Köln-Bonn: Freitag, 02. September, 14:10 Uhr Flug   DP   819   aus   Moskau-Vnukovo   befand   sich   im   Landeanflug   auf   den   Köln-Bonner   Flughafen.   Pünktlich   setzte   die   Boeing   737   auf   und   rollte   die   letzten   Meter   aus,   kam   vor   dem   ihr über Funk zugewiesenen Gate zum Stehen.    Einige   Passagiere   waren   bereits   aufgesprungen   und   postierten   sich,   nervös   auf   der   Stelle   tretend,   im   Mittelgang   in   der   Nähe   der   Türen.   Ungeduldig   warteten   sie   darauf,   daß   die beiden Finger andockten. Als das Boardpersonal endlich den Weg freigab, hetzten sie fast schon im Laufschritt in Richtung Gepäckausgabe.    Grüblerisch   und   mit   sich   selbst   beschäftigt   blieb   der   Mann   in   Schwarz   sitzen,   versuchte,   Klarheit   in   sein   vom   tranceähnlichen   Tiefschlaf   vernebeltes   Gehirn   zu   bekommen.   Der tranceähnliche Tiefschlaf hatte ganz plötzlich eingesetzt. Wie durch ein Filter nahm er sein geschäftiges Umfeld wahr.    Diese   fremdartig   klingende   Frauenstimme,   die   in   einer   ihm   unbekannten   Sprache   zu   ihm   gesprochen   hatte,   war   vorher   noch   nie   dagewesen.   Wer   war   diese   Frau   und   was   wollte   sie ihm sagen? Was wollte ihm dieser Traum mitteilen? Daß er für ihn eine wichtige Botschaft enthielt, war ihm schon klar. Nur welche?    Er   gab   auf,   fühlte   sich   wie   gerädert,   wusste,   daß   er   wieder   einmal   keine   Antwort   erhalten   würde.   Geistesabwesend   schluckte   er   eine   Coffeintablette   und   spülte   mit   einem   Rest Mineralwasser nach. Sie würde seinen physischen Zusammenbruch noch um einige Stunden hinauszögern.    Die   737   hatte   sich   bis   auf   wenige   Flugpassagiere   geleert.   Er   klappte   die   Reisebibel   zu   und   verstaute   sie   in   seinem   Aktenkoffer.   Müde   stand   er   auf,   legte   sich   den   schwarzen Ledermantel    über    die    Schulter,    es    war    Anfang    September    und    draußen    herrschten    noch    immer    sommerliche    Temperaturen,    griff    nach    seinem    Aktenkoffer    und    verließ    die bedrückende   Enge   der   Boeing   737.   Er   hasste   enge,   vollgestopfte   Maschinen,   aber   diese   Boeing   war   die   einzige,   die   er   in   Moskau   noch   kurzfristig   hatte   buchen   können.   Ein   späterer Flug hätte ihm eine wertvolle Woche Zeit gekostet – und dieser Job duldete keinen Aufschub.    Geistig   träge   schlenderte   er,   der   Beschilderung   zum   Laufband   folgend,   zur   Gepäckausgabe,   während   er   das   hektische   Treiben   seines   Umfeldes   beobachtete.   Die   Hände   in   den   Hostentaschen   vergraben,   stand er am Rande der Menschenmenge und hing, auf das Gepäck wartend, seinen Gedanken nach … * Fünf   Jahre   war   es   her,   daß   er   Deutschland   und   Europa   hinter   sich   gelassen   hatte.   Während   dieser   Zeit   trieb   er   sich   in   allen   möglichen   Erdteilen   herum   und   erledigte   seine   Jobs.   Niemand   wusste,   wer   er   wirklich war, wer sich hinter seinem Decknamen Walker verbarg.
WALKER
Zuletzt überarbeitet: 12.07.2017
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Walker by Bernd Terlau Version II 1. Tag: Die Ankunft Flughafen Köln-Bonn: Freitag, 02. September, 14:10 Uhr Flug   DP   819   aus   Moskau-Vnukovo   befand   sich im       Landeanflug       auf       den       Köln-Bonner Flughafen.   Pünktlich   setzte   die   Boeing   737   auf und   rollte   die   letzten   Meter   aus,   kam   vor   dem ihr über Funk zugewiesenen Gate zum Stehen. Einige   Passagiere   waren   bereits   aufgesprungen und    postierten    sich,    nervös    auf    der    Stelle tretend,   im   Mittelgang   in   der   Nähe   der   Türen. Ungeduldig   warteten   sie   darauf,   daß   die   beiden Finger     andockten.     Als     das     Boardpersonal endlich   den   Weg   freigab,   hetzten   sie   fast   schon im Laufschritt in Richtung Gepäckausgabe. Grüblerisch   und   mit   sich   selbst   beschäftigt   blieb   der   Mann   in   Schwarz sitzen,     versuchte,     Klarheit     in     sein     vom     tranceähnlichen     Tiefschlaf vernebeltes   Gehirn   zu   bekommen.   Der   tranceähnliche   Tiefschlaf   hatte ganz   plötzlich   eingesetzt.   Wie   durch   ein   Filter   nahm   er   sein   geschäftiges Umfeld wahr. Diese   fremdartig   klingende   Frauenstimme,   die   in   einer   ihm   unbekannten Sprache   zu   ihm   gesprochen   hatte,   war   vorher   noch   nie   dagewesen.   Wer war   diese   Frau   und   was   wollte   sie   ihm   sagen?   Was   wollte   ihm   dieser Traum   mitteilen?   Daß   er   für   ihn   eine   wichtige   Botschaft   enthielt,   war   ihm schon klar. Nur welche? Er   gab   auf,   fühlte   sich   wie   gerädert,   wusste,   daß   er   wieder   einmal   keine Antwort       erhalten       würde.       Geistesabwesend       schluckte       er       eine Coffeintablette   und   spülte   mit   einem   Rest   Mineralwasser   nach.   Sie   würde seinen      physischen      Zusammenbruch      noch      um      einige      Stunden hinauszögern. Die   737   hatte   sich   bis   auf   wenige   Flugpassagiere   geleert.   Er   klappte   die Reisebibel   zu   und   verstaute   sie   in   seinem   Aktenkoffer.   Müde   stand   er   auf, legte   sich   den   schwarzen   Ledermantel   über   die   Schulter,   es   war   Anfang September      und      draußen      herrschten      noch      immer      sommerliche Temperaturen,      griff      nach      seinem      Aktenkoffer      und      verließ      die bedrückende     Enge     der     Boeing     737.     Er     hasste     enge,     vollgestopfte Maschinen,   aber   diese   Boeing   war   die   einzige,   die   er   in   Moskau   noch kurzfristig    hatte    buchen    können.    Ein    späterer    Flug    hätte    ihm    eine wertvolle Woche Zeit gekostet – und dieser Job duldete keinen Aufschub.    Geistig   träge   schlenderte   er,   der   Beschilderung   zum   Laufband   folgend, zur   Gepäckausgabe,   während   er   das   hektische   Treiben   seines   Umfeldes beobachtete.   Die   Hände   in   den   Hostentaschen   vergraben,   stand   er   am Rande   der   Menschenmenge   und   hing,   auf   das   Gepäck   wartend,   seinen Gedanken nach … * Fünf    Jahre    war    es    her,    daß    er    Deutschland    und    Europa    hinter    sich gelassen    hatte.    Während    dieser    Zeit    trieb    er    sich    in    allen    möglichen Erdteilen    herum    und    erledigte    seine    Jobs.    Niemand    wusste,    wer    er wirklich war, wer sich hinter seinem Decknamen Walker verbarg.
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Walker by Bernd Terlau Version II 1. Tag: Die Ankunft Flughafen Köln- Bonn: Freitag, 02. Sep- tember, 14:10 Uhr Flug     DP     819     aus   befand        sich        im Landeanflug   auf   den Köln-Bonner       Flug- hafen.           Pünktlich setzte      die      Boeing 737    auf    und    rollte die      letzten      Meter aus,    kam    vor    dem ihr          über          Funk zugewiesenen Gate zum Stehen. Einige      Passagiere      waren      bereits      aufge- sprungen   und   postierten   sich,   nervös   auf   der Stelle   tretend,   im   Mittelgang   in   der   Nähe   der Türen.    Ungeduldig    warteten    sie    darauf,    daß die      beiden      Finger      andockten.      Als      das Boardpersonal      endlich      den      Weg      freigab, hetzten     sie     fast     schon     im     Laufschritt     in Richtung Gepäckausgabe. Grüblerisch    und    mit    sich    selbst    beschäftigt blieb   der   Mann   in   Schwarz   sitzen,   versuchte, Klarheit   in   sein   vom   tranceähnlichen   Tiefschlaf vernebeltes      Gehirn      zu      bekommen.      Der tranceähnliche   Tiefschlaf   hatte   ganz   plötzlich eingesetzt.   Wie   durch   ein   Filter   nahm   er   sein geschäftiges Umfeld wahr. Diese   fremdartig   klingende   Frauenstimme,   die in    einer    ihm    unbekannten    Sprache    zu    ihm gesprochen     hatte,     war     vorher     noch     nie dagewesen.    Wer    war    diese    Frau    und    was wollte   sie   ihm   sagen?   Was   wollte   ihm   dieser Traum   mitteilen?   Daß   er   für   ihn   eine   wichtige Botschaft    enthielt,    war    ihm    schon    klar.    Nur welche? Er   gab   auf,   fühlte   sich   wie   gerädert,   wusste, daß   er   wieder   einmal   keine   Antwort   erhalten würde.     Geistesabwesend     schluckte     er     eine Coffeintablette    und    spülte    mit    einem    Rest Mineralwasser      nach.      Sie      würde      seinen physischen   Zusammenbruch   noch   um   einige Stunden hinauszögern. Die       737       hatte       sich       bis       auf       wenige Flugpassagiere       geleert.       Er       klappte       die Reisebibel    zu    und    verstaute    sie    in    seinem Aktenkoffer.   Müde   stand   er   auf,   legte   sich   den schwarzen   Ledermantel   über   die   Schulter,   es war       Anfang       September       und       draußen herrschten        noch        immer        sommerliche Temperaturen,   griff   nach   seinem   Aktenkoffer und   verließ   die   bedrückende   Enge   der   Boeing 737.   Er   hasste   enge,   vollgestopfte   Maschinen, aber   diese   Boeing   war   die   einzige,   die   er   in Moskau   noch   kurzfristig   hatte   buchen   können. Ein    späterer    Flug    hätte    ihm    eine    wertvolle Woche   Zeit   gekostet   –   und   dieser   Job   duldete keinen Aufschub. Geistig   träge   schlenderte   er,   der   Beschilderung zum    Laufband    folgend,    zur    Gepäckausgabe, während     er     das     hektische     Treiben     seines Umfeldes     beobachtete.     Die     Hände     in     den Hostentaschen   vergraben,   stand   er   am   Rande der     Menschenmenge     und     hing,     auf     das Gepäck wartend, seinen Gedanken nach … * Fünf   Jahre   war   es   her,   daß   er   Deutschland   und Europa    hinter    sich    gelassen    hatte.    Während dieser    Zeit    trieb    er    sich    in    allen    möglichen Erdteilen    herum    und    erledigte    seine    Jobs. Niemand   wusste,   wer   er   wirklich   war,   wer   sich hinter seinem Decknamen Walker verbarg.
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