Die Schlangengrube by Bernd Terlau Sie   erinnern   sich   vielleicht,   daß   ich   vor   einiger   Zeit   aufgrund   einer   gemachten   Erbschaft   von   Bonn   nach   Baltimore/Maryland   umgezogen   bin.   Genauer   gesagt,   ich   zog   nach Cockeysville.  Cockeysville   ist   eine   Ortschaft   im   Baltimore   County   im   US-Bundesstaat   Maryland   mit   gut   20.000   Einwohnern,   im   Grunde   genommen   ein   Nest   in   der   Größenordnung   von   Rheinbach. Jetzt lebte ich schon rund drei Jahre hier und es hätte ein wunderbares Leben sein können, wenn da nicht Edna gewesen wäre. Ein   Jahr   nach   meiner   Ankunft   lernte   ich   sie   während   einer   Ausstellung   kennen,   eine   nette   und   gutaussehende   junge   Frau,   charmant,   geistvoll   und   –   na   ja,   ich   kam   vom      Regen   in   die Traufe.   Ich   hätte   die   Finger   von   ihr   lassen   sollen,   aber   irgendwie   war   ich   völlig   vernagelt   und   nach   sechzehn   höllischen   Ehejahren   mit   meiner   Dahingeschiedenen   war   ich   dann   doch süchtig nach Nähe, Sex und all dem, was eine harmonische, zwischenmenschliche Beziehung ausmacht, geworden. Ich   verlängerte   meinen   einjährigen,   unbezahlten   Urlaub   um   zwei   weitere   Jahre   und   richtete   mich   in   Cockeysville   häuslich   ein,   baute   das   Haus   innerhalb   eines   Jahres   komplett   um   und konnte   so      drei   schicke   und   luxuriöse   Wohnungen   vermieten,   mir   ein   sehr   gutes,   regelmäßiges,   zusätzliches   Einkommen   sichern.   Die   verbliebenen,   knapp   zwei   Drittel   Millionen   Euro hielt   ich   mir   als   Reserve,   legte   sie   gut   an   und   konnte   so   von   den   Zinsen   und   meinen   Mieteinnahmen   leben.   Hin   und   wieder   verdiente   ich   durch   Spekulationsgeschäfte   an   der   Börse etwas Geld, sodaß ich im Jahresdurchschnitt auf immerhin eine Million Euro kam. Ich hatte eine vorläufige Arbeitsgenehmigung und obendrein die Greencard beantragt. Mir ging es gut, wenn da nicht, wie bereits angedeutet, Edna wäre. Edna   hatte   alles,   was   einen   Mann   glücklich   machen      konnte   und   offensichtlich   dachten   wir   in   der   Anfangszeit   unserer   Beziehung   wohl   ein   wenig   zu   oft   mit   einer   anderen,   südlicher gelegenen Körperregion, denn anders kann ich es mir nicht erklären, daß ich die subtilen Zeichen ihres unglaublich besitzergreifenden Wesens  übersah. In   Deutschland   war   meine   Ex-Frau   in   sechzehn   höllischen   Ehejahren   zu   einem   lebenden   Albtraum   geworden.   Jetzt   war   Edna   Jones   in   nur   knapp   zwei   Jahren   an   ihre   Stelle   getreten   und drohte, sie noch zu toppen. Edna war wohl der irrigen Meinung, sie könne mich unter ihre Kontrolle bringen und Sex sei alles, was ich brauchte. Sie war geradezu besessen von Sex. Irgendwann   kam   es   wie   es   wohl   kommen   musste.   Ich   suchte   nach   mehr   als   nur   Sex,   nur   leider   war   da   nichts   bei   Edna   und   es   folgt   die   totale   Ernüchterung.      Und   plötzlich   sah   ich   ihre   Fehler,   die   absoluten   „No- Go’s“,   die   unausbleiblichen   und   einfach   nur   peinlichen   Fauxpas‘.   Erst   waren   es   nur   wenige,   dann   mehrten   sie   sich   und   unbewußt   stellten   sich   Vergleiche   mit   der   letzten   Ex   ein   und   ich   stellte   fest:   sie   ähnelten sich doch zu sehr. Es wiederholte sich alles, nur auf einer anderen Ebene. Eine   endgültige   Trennung   kam   für   sie   offensichtlich   nicht   in   Frage,   obwohl   wir   uns   nach   mehrfachen   und   oft   nächtelangen,   endlosen   Diskussionen   trennten.   Reumütig   kam   sie   immer   wieder   zurück   und   ich Volltrottel gab ihr immer wieder eine Chance, versuchte es von Neuem mit ihr - bis ich es eines Tages wirklich leid war und sie  vor die Tür setzte. Endgültig. Es   verging   einige   Zeit.   Edna   „arbeitete“   vorrübergehend   bei   einem   Broker,   verdiente   einen   Haufen   Geld   und   hatte   sich   ganz   in   meiner   Nähe   ein   kleines   Appartement   gemietet.   Na   ja,   ich   konnte   nichts   dagegen unternehmen, hätte mir allerdings gewünscht, sie wäre in eine andere Stadt umgezogen.
Die Schlangengrube
Zuletzt überarbeitet: 12.07.2017
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Die Schlangengrube by Bernd Terlau Sie   erinnern   sich   vielleicht,   daß   ich   vor   einiger Zeit   aufgrund   einer   gemachten   Erbschaft   von Bonn     nach     Baltimore/Maryland     umgezogen bin. Genauer gesagt, ich zog nach Cockeysville.  Cockeysville    ist    eine    Ortschaft    im    Baltimore County    im    US-Bundesstaat    Maryland    mit    gut 20.000   Einwohnern,   im   Grunde   genommen   ein Nest    in    der    Größenordnung    von    Rheinbach. Jetzt   lebte   ich   schon   rund   drei   Jahre   hier   und   es hätte    ein    wunderbares    Leben    sein    können, wenn da nicht Edna gewesen wäre. Ein    Jahr    nach    meiner    Ankunft    lernte    ich    sie während   einer   Ausstellung   kennen,   eine   nette und     gutaussehende     junge     Frau,     charmant, geistvoll   und   –   na   ja,   ich   kam   vom      Regen   in   die Traufe.    Ich    hätte    die    Finger    von    ihr    lassen sollen,   aber   irgendwie   war   ich   völlig   vernagelt und   nach   sechzehn   höllischen   Ehejahren   mit   meiner   Dahingeschiedenen war    ich    dann    doch    süchtig    nach    Nähe,    Sex    und    all    dem,    was    eine harmonische, zwischenmenschliche Beziehung ausmacht, geworden. Ich   verlängerte   meinen   einjährigen,   unbezahlten   Urlaub   um   zwei   weitere Jahre    und    richtete    mich    in    Cockeysville    häuslich    ein,    baute    das    Haus innerhalb   eines   Jahres   komplett   um   und   konnte   so      drei   schicke   und luxuriöse    Wohnungen    vermieten,    mir    ein    sehr    gutes,    regelmäßiges, zusätzliches    Einkommen    sichern.    Die    verbliebenen,    knapp    zwei    Drittel Millionen   Euro   hielt   ich   mir   als   Reserve,   legte   sie   gut   an   und   konnte   so von    den    Zinsen    und    meinen    Mieteinnahmen    leben.    Hin    und    wieder verdiente    ich    durch    Spekulationsgeschäfte    an    der    Börse    etwas    Geld, sodaß   ich   im   Jahresdurchschnitt   auf   immerhin   eine   Million   Euro   kam.   Ich hatte   eine   vorläufige   Arbeitsgenehmigung   und   obendrein   die   Greencard beantragt. Mir ging es gut, wenn da nicht, wie bereits angedeutet, Edna wäre. Edna    hatte    alles,    was    einen    Mann    glücklich    machen        konnte    und offensichtlich   dachten   wir   in   der   Anfangszeit   unserer   Beziehung   wohl   ein wenig   zu   oft   mit   einer   anderen,   südlicher   gelegenen   Körperregion,   denn anders   kann   ich   es   mir   nicht   erklären,   daß   ich   die   subtilen   Zeichen   ihres unglaublich besitzergreifenden Wesens  übersah. In   Deutschland   war   meine   Ex-Frau   in   sechzehn   höllischen   Ehejahren   zu einem   lebenden   Albtraum   geworden.   Jetzt   war   Edna   Jones   in   nur   knapp zwei   Jahren   an   ihre   Stelle   getreten   und   drohte,   sie   noch   zu   toppen.   Edna war    wohl    der    irrigen    Meinung,    sie    könne    mich    unter    ihre    Kontrolle bringen   und   Sex   sei   alles,   was   ich   brauchte.   Sie   war   geradezu   besessen von Sex. Irgendwann   kam   es   wie   es   wohl   kommen   musste.   Ich   suchte   nach   mehr als   nur   Sex,   nur   leider   war   da   nichts   bei   Edna   und   es   folgt   die   totale Ernüchterung.      Und   plötzlich   sah   ich   ihre   Fehler,   die   absoluten   „No-Go’s“, die   unausbleiblichen   und   einfach   nur   peinlichen   Fauxpas‘.   Erst   waren   es nur   wenige,   dann   mehrten   sie   sich   und   unbewußt   stellten   sich   Vergleiche mit   der   letzten   Ex   ein   und   ich   stellte   fest:   sie   ähnelten   sich   doch   zu   sehr. Es wiederholte sich alles, nur auf einer anderen Ebene. Eine   endgültige   Trennung   kam   für   sie   offensichtlich   nicht   in   Frage,   obwohl wir   uns   nach   mehrfachen   und   oft   nächtelangen,   endlosen   Diskussionen trennten.   Reumütig   kam   sie   immer   wieder   zurück   und   ich   Volltrottel   gab ihr   immer   wieder   eine   Chance,   versuchte   es   von   Neuem   mit   ihr   -   bis   ich es eines Tages wirklich leid war und sie  vor die Tür setzte. Endgültig. Es   verging   einige   Zeit.   Edna   „arbeitete“   vorrübergehend   bei   einem   Broker, verdiente   einen   Haufen   Geld   und   hatte   sich   ganz   in   meiner   Nähe   ein kleines     Appartement     gemietet.     Na     ja,     ich     konnte     nichts     dagegen unternehmen,   hätte   mir   allerdings   gewünscht,   sie   wäre   in   eine   andere Stadt umgezogen.
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Die Schlangengrube by Bernd Terlau Sie      erinnern      sich vielleicht,      daß      ich vor   einiger   Zeit   auf- grund       einer       ge- machten      Erbschaft von       Bonn       nach r   umgezogen bin. Genauer   gesagt,   ich zog     nach     Cockeys- ville.  Cockeysville   ist   eine Ortschaft     im     Balti- more   County   im   US- Bundesstaat      Mary- land   mit   gut   20.000 Einwohnern,   im   Grunde   genommen   ein   Nest in    der    Größenordnung    von    Rheinbach.    Jetzt lebte    ich    schon    rund    drei    Jahre    hier    und    es hätte    ein    wunderbares    Leben    sein    können, wenn da nicht Edna gewesen wäre. Ein    Jahr    nach    meiner    Ankunft    lernte    ich    sie während   einer   Ausstellung   kennen,   eine   nette und     gutaussehende     junge     Frau,     charmant, geistvoll   und   –   na   ja,   ich   kam   vom      Regen   in   die Traufe.    Ich    hätte    die    Finger    von    ihr    lassen sollen,   aber   irgendwie   war   ich   völlig   vernagelt und   nach   sechzehn   höllischen   Ehejahren   mit meiner   Dahingeschiedenen   war   ich   dann   doch süchtig   nach   Nähe,   Sex   und   all   dem,   was   eine harmonische,   zwischenmenschliche   Beziehung ausmacht, geworden. Ich     verlängerte     meinen     einjährigen,     unbe- zahlten    Urlaub    um    zwei    weitere    Jahre    und richtete     mich     in     Cockeysville     häuslich     ein, baute      das      Haus      innerhalb      eines      Jahres komplett   um   und   konnte   so      drei   schicke   und luxuriöse   Wohnungen   vermieten,   mir   ein   sehr gutes,   regelmäßiges,   zusätzliches   Einkommen sichern.   Die   verbliebenen,   knapp   zwei   Drittel Millionen   Euro   hielt   ich   mir   als   Reserve,   legte sie   gut   an   und   konnte   so   von   den   Zinsen   und meinen   Mieteinnahmen   leben.   Hin   und   wieder verdiente   ich   durch   Spekulationsgeschäfte   an der      Börse      etwas      Geld,      sodaß      ich      im Jahresdurchschnitt   auf   immerhin   eine   Million Euro       kam.       Ich       hatte       eine       vorläufige Arbeitsgenehmigung       und       obendrein       die Greencard beantragt. Mir    ging    es    gut,    wenn    da    nicht,    wie    bereits angedeutet, Edna wäre. Edna    hatte    alles,    was    einen    Mann    glücklich machen        konnte    und    offensichtlich    dachten wir   in   der   Anfangszeit   unserer   Beziehung   wohl ein   wenig   zu   oft   mit   einer   anderen,   südlicher gelegenen    Körperregion,    denn    anders    kann ich   es   mir   nicht   erklären,   daß   ich   die   subtilen Zeichen    ihres    unglaublich    besitzergreifenden Wesens  übersah. In   Deutschland   war   meine   Ex-Frau   in   sechzehn höllischen     Ehejahren     zu     einem     lebenden Albtraum   geworden.   Jetzt   war   Edna   Jones   in nur   knapp   zwei   Jahren   an   ihre   Stelle   getreten und    drohte,    sie    noch    zu    toppen.    Edna    war wohl    der    irrigen    Meinung,    sie    könne    mich unter   ihre   Kontrolle   bringen   und   Sex   sei   alles, was   ich   brauchte.   Sie   war   geradezu   besessen von Sex. Irgendwann    kam    es    wie    es    wohl    kommen musste.   Ich   suchte   nach   mehr   als   nur   Sex,   nur leider   war   da   nichts   bei   Edna   und   es   folgt   die totale   Ernüchterung.      Und   plötzlich   sah   ich   ihre Fehler,        die        absoluten        „No-Go’s“,        die unausbleiblichen    und    einfach    nur    peinlichen Fauxpas‘.    Erst    waren    es    nur    wenige,    dann mehrten   sie   sich   und   unbewußt   stellten   sich Vergleiche   mit   der   letzten   Ex   ein   und   ich   stellte fest:     sie     ähnelten     sich     doch     zu     sehr.     Es wiederholte   sich   alles,   nur   auf   einer   anderen Ebene. Eine      endgültige      Trennung      kam      für      sie offensichtlich   nicht   in   Frage,   obwohl   wir   uns nach      mehrfachen      und      oft      nächtelangen, endlosen     Diskussionen     trennten.     Reumütig kam     sie     immer     wieder     zurück     und     ich Volltrottel   gab   ihr   immer   wieder   eine   Chance, versuchte   es   von   Neuem   mit   ihr   -   bis   ich   es eines   Tages   wirklich   leid   war   und   sie      vor   die Tür setzte. Endgültig. Es      verging      einige      Zeit.      Edna      „arbeitete“ vorrübergehend    bei    einem    Broker,    verdiente einen    Haufen    Geld    und    hatte    sich    ganz    in meiner      Nähe      ein      kleines      Appartement gemietet.    Na    ja,    ich    konnte    nichts    dagegen unternehmen,   hätte   mir   allerdings   gewünscht, sie wäre in eine andere Stadt umgezogen.
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