Moorwanderung by Bernd Terlau Ich war sie leid, war ihrer einfach überdrüssig, hasste alles, was sie verkörperte. Eine   Scheidung   kam   nach   sechzehn   Ehejahren   voller   Erniedrigungen   für   mich   nicht   mehr   in   Frage.   Ihr   unglaublich   herrisches   Wesen,   ihre   absolute   Dummheit,   ihre   grenzenlose Offenheit für alles Triviale bis hin zum unsagbar Kitschigen war einfach nicht mehr zu ertragen, machte mir das Leben mehr und mehr zur Hölle. Hinzu   kam,   daß   ihre   Gefühllosigkeit   und   ihre   emotionale   Kälte   mir   gegenüber   sowie   ihr   verlogenes   und   nur   zur   Selbstdarstellung   aufgebautes   Ego   mich   einfach   nur   noch   anwiderten, mich   von   ihr   abstießen.   Sie   hatte   sich   in   all   den   Jahren   unserer   Ehe   mehr   und   mehr   gehenlassen   und   sich   zu   einem   Ausbund   all   dessen,   was   ich   an   einer   Frau   verabscheute, entwickelt - und das auch noch in gewohnt perfekter Weise. Wenn sie etwas machte, dann richtig! Oft   hatte   ich   eine   Scheidung   in   Erwägung   gezogen,   aber   bei   dieser   Frau   würde   ich   diesen   Schritt   nicht   schadlos   an   Leib   und   Seele   überstehen.   Zu   hinterhältig,   raffgierig   und verschlagen   war   sie.      Sie   hatte,   nicht   nur   was   Wertsachen   anging,   einen   Taschenrechner   im   Kopf.   Ich   war   mir   sicher,   sie   würde   mir   alles   nehmen,   einfach   alles   und   sei   es   nur   um   des reinen Vergnügens willen.  Raffgieriges   Erbsenzählen   war   ihr   Hobby,   wurde   bei   ihr   groß   geschrieben.   Sie   hatte   es   bei   ihrer   ersten   Scheidung   so   gehandhabt,   hatte   mich   dummen   und   unerfahrenen   Tropf benutzt,   um   von   ihrem   ersten   Mann   loszukommen.   Während   des   Scheidungsverfahrens   hatte   sie   ihn   bis   auf   die   Knochen   blamiert,   ihn   seelisch   und   auch   psychisch   fertiggemacht,   ihn vor   allen   möglichen   Leuten   vorgeführt   um   ihn   dann   in   unüberschaubare   finanzielle   Probleme   zu   stürzen,   ihn   eiskalt   zu   ruinieren.   Mit   mir   würde   sie   nach   dem   gleichen   Muster verfahren,   würde   ich   die   Scheidung   einreichen.   Wahrscheinlich   würde   sie   ihr   Verhalten   bei   mir   noch   zu   toppen   versuchen,   indem   sie   mich   anschließend   in   eine   Klapse   einweisen   ließ. Verschlagen genug war sie und bei mir Sensibelchen könnte sie sogar Erfolg haben. Sie mußte weg. Einfach nur weg aus meinem Leben. Für immer verschwinden. Ich wollte nichts weiter als nur meine Ruhe vor dieser Frau haben. Dieser   Wunsch   wurde   für   mich   irgendwann   zur   Gewißheit   und   nahm   mehr   und   mehr   seinen   Platz   in   mir   ein,   fing   an,   mich   irgendwann   ganz   auszufüllen.   Ich   stellte   mir   in   der   darauf   folgenden   Zeit   unserer   Ehe ihren   Tod   immer   plastischer   und   vielfältiger   vor.   Manchmal   ging   die   Phantasie   mit   mir   durch,   sodaß   ich   mich   vor   mir   selbst   erschreckte   und   sogar   zeitweilig   fürchtete   –   aber   eines   Tages   hatte   ich   die   perfekte Lösung. Ich   mußte   allerdings   vorsichtig   sein   und   den   Tag   ihres   Dahinscheidens   sehr   gut   vorbereiten,   musste   geduldig   und   sehr   achtsam   sein,   jede   Kleinigkeit   bedenken.   Dann   würde   mein   Plan   funktionieren.   Dieses Wissen darum versetzte mich in eine ungeahnte Hochstimmung, was sie mir auch sofort ansah. In den folgenden Wochen beobachtete sie mich argwöhnisch. Sie   ging   wohl   davon   aus,   ich   hätte   eine   Freundin,   denn   bei   uns   war   auch   im   Bett   schon   lange   Schweigen   eingekehrt.   Sie   war   um   eine   Ausrede   nie   verlegen,   damit   DAS   nicht   geschah.   Irgendwann   gab   ich   auf und es war mir auch nicht mehr wichtig, mit ihr zu schlafen – obwohl sie eine sehr attraktive und gepflegte Frau war, was einigen meiner Kollegen nicht entgangen war.
MOORWANDERUNG
Zuletzt überarbeitet: 11.06.2017
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Moorwanderung by Bernd Terlau Ich    war    sie    leid,    war    ihrer    einfach    überdrüssig, hasste alles, was sie verkörperte. Eine    Scheidung    kam    nach    sechzehn    Ehejahren voller    Erniedrigungen    für    mich    nicht    mehr    in Frage.    Ihr    unglaublich    herrisches    Wesen,    ihre absolute    Dummheit,    ihre    grenzenlose    Offenheit für   alles   Triviale   bis   hin   zum   unsagbar   Kitschigen war   einfach   nicht   mehr   zu   ertragen,   machte   mir das Leben mehr und mehr zur Hölle. Hinzu    kam,    daß    ihre    Gefühllosigkeit    und    ihre emotionale      Kälte      mir      gegenüber      sowie      ihr verlogenes       und       nur       zur       Selbstdarstellung aufgebautes      Ego      mich      einfach      nur      noch anwiderten,   mich   von   ihr   abstießen.   Sie   hatte   sich in    all    den    Jahren    unserer    Ehe    mehr    und    mehr gehenlassen    und    sich    zu    einem    Ausbund    all dessen,    was    ich    an    einer    Frau    verabscheute, entwickelt     -     und     das     auch     noch     in     gewohnt perfekter Weise. Wenn sie etwas machte, dann richtig! Oft   hatte   ich   eine   Scheidung   in   Erwägung   gezogen,   aber   bei   dieser   Frau würde   ich   diesen   Schritt   nicht   schadlos   an   Leib   und   Seele   überstehen.   Zu hinterhältig,   raffgierig   und   verschlagen   war   sie.      Sie   hatte,   nicht   nur   was Wertsachen   anging,   einen   Taschenrechner   im   Kopf.   Ich   war   mir   sicher,   sie würde    mir    alles    nehmen,    einfach    alles    und    sei    es    nur    um    des    reinen Vergnügens willen.  Raffgieriges   Erbsenzählen   war   ihr   Hobby,   wurde   bei   ihr   groß   geschrieben. Sie   hatte   es   bei   ihrer   ersten   Scheidung   so   gehandhabt,   hatte   mich   dummen und   unerfahrenen   Tropf   benutzt,   um   von   ihrem   ersten   Mann   loszukommen. Während    des    Scheidungsverfahrens    hatte    sie    ihn    bis    auf    die    Knochen blamiert,    ihn    seelisch    und    auch    psychisch    fertiggemacht,    ihn    vor    allen möglichen   Leuten   vorgeführt   um   ihn   dann   in   unüberschaubare   finanzielle Probleme   zu   stürzen,   ihn   eiskalt   zu   ruinieren.   Mit   mir   würde   sie   nach   dem gleichen      Muster      verfahren,      würde      ich      die      Scheidung      einreichen. Wahrscheinlich   würde   sie   ihr   Verhalten   bei   mir   noch   zu   toppen   versuchen, indem   sie   mich   anschließend   in   eine   Klapse   einweisen   ließ.   Verschlagen genug war sie und bei mir Sensibelchen könnte sie sogar Erfolg haben. Sie     mußte     weg.     Einfach     nur     weg     aus     meinem     Leben.     Für     immer verschwinden.   Ich   wollte   nichts   weiter   als   nur   meine   Ruhe   vor   dieser   Frau haben. Dieser   Wunsch   wurde   für   mich   irgendwann   zur   Gewißheit   und   nahm   mehr und     mehr     seinen     Platz     in     mir     ein,     fing     an,     mich     irgendwann     ganz auszufüllen.   Ich   stellte   mir   in   der   darauf   folgenden   Zeit   unserer   Ehe   ihren Tod   immer   plastischer   und   vielfältiger   vor.   Manchmal   ging   die   Phantasie   mit mir   durch,   sodaß   ich   mich   vor   mir   selbst   erschreckte   und   sogar   zeitweilig fürchtete – aber eines Tages hatte ich die perfekte Lösung. Ich   mußte   allerdings   vorsichtig   sein   und   den   Tag   ihres   Dahinscheidens   sehr gut   vorbereiten,   musste   geduldig   und   sehr   achtsam   sein,   jede   Kleinigkeit bedenken.    Dann    würde    mein    Plan    funktionieren.    Dieses    Wissen    darum versetzte   mich   in   eine   ungeahnte   Hochstimmung,   was   sie   mir   auch   sofort ansah. In den folgenden Wochen beobachtete sie mich argwöhnisch. Sie   ging   wohl   davon   aus,   ich   hätte   eine   Freundin,   denn   bei   uns   war   auch   im Bett    schon    lange    Schweigen    eingekehrt.    Sie    war    um    eine    Ausrede    nie verlegen,   damit   DAS   nicht   geschah.   Irgendwann   gab   ich   auf   und   es   war   mir auch   nicht   mehr   wichtig,   mit   ihr   zu   schlafen   –   obwohl   sie   eine   sehr   attraktive und gepflegte Frau war, was einigen meiner Kollegen nicht entgangen war.
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Moorwanderung by Bernd Terlau Ich   war   sie   leid,   war ihrer    einfach    über- drüssig,   hasste   alles, was sie verkörperte. Eine   Scheidung   kam nach   sechzehn   Ehe- jahren    voller    Ernie- drigungen    für    mich nicht   mehr   in   Frage. Ihr   unglaublich   her- risches    Wesen,    ihre absolute   Dummheit, ihre   grenzenlose   Of- fenheit       für       alles Triviale   bis   hin   zum unsagbar   Kitschigen war      einfach      nicht mehr     zu     ertragen, machte    mir    das    Leben    mehr    und    mehr    zur Hölle. Hinzu   kam,   daß   ihre   Gefühllosigkeit   und   ihre emotionale    Kälte    mir    gegenüber    sowie    ihr verlogenes     und     nur     zur     Selbstdarstellung aufgebautes     Ego     mich     einfach     nur     noch anwiderten,   mich   von   ihr   abstießen.   Sie   hatte sich   in   all   den   Jahren   unserer   Ehe   mehr   und mehr   gehenlassen   und   sich   zu   einem   Ausbund all   dessen,   was   ich   an   einer   Frau   verabscheute, entwickelt    -    und    das    auch    noch    in    gewohnt perfekter   Weise.   Wenn   sie   etwas   machte,   dann richtig! Oft    hatte    ich    eine    Scheidung    in    Erwägung gezogen,     aber     bei     dieser     Frau     würde     ich diesen   Schritt   nicht   schadlos   an   Leib   und   Seele überstehen.     Zu     hinterhältig,     raffgierig     und verschlagen   war   sie.      Sie   hatte,   nicht   nur   was Wertsachen   anging,   einen   Taschenrechner   im Kopf.   Ich   war   mir   sicher,   sie   würde   mir   alles nehmen,   einfach   alles   und   sei   es   nur   um   des reinen Vergnügens willen.  Raffgieriges     Erbsenzählen     war     ihr     Hobby, wurde   bei   ihr   groß   geschrieben.   Sie   hatte   es bei    ihrer    ersten    Scheidung    so    gehandhabt, hatte   mich   dummen   und   unerfahrenen   Tropf benutzt,      um      von      ihrem      ersten      Mann loszukommen.    Während    des    Scheidungsver- fahrens    hatte    sie    ihn    bis    auf    die    Knochen blamiert,    ihn    seelisch    und    auch    psychisch fertiggemacht,   ihn   vor   allen   möglichen   Leuten vorgeführt   um   ihn   dann   in   unüberschaubare finanzielle   Probleme   zu   stürzen,   ihn   eiskalt   zu ruinieren.     Mit     mir     würde     sie     nach     dem gleichen     Muster     verfahren,     würde     ich     die Scheidung    einreichen.    Wahrscheinlich    würde sie    ihr    Verhalten    bei    mir    noch    zu    toppen versuchen,    indem    sie    mich    anschließend    in eine   Klapse   einweisen   ließ.   Verschlagen   genug war   sie   und   bei   mir   Sensibelchen   könnte   sie sogar Erfolg haben. Sie   mußte   weg.   Einfach   nur   weg   aus   meinem Leben.    Für    immer    verschwinden.    Ich    wollte nichts   weiter   als   nur   meine   Ruhe   vor   dieser Frau haben. Dieser    Wunsch    wurde    für    mich    irgendwann zur    Gewißheit    und    nahm    mehr    und    mehr seinen     Platz     in     mir     ein,     fing     an,     mich irgendwann   ganz   auszufüllen.   Ich   stellte   mir   in der   darauf   folgenden   Zeit   unserer   Ehe   ihren Tod    immer    plastischer    und    vielfältiger    vor. Manchmal   ging   die   Phantasie   mit   mir   durch, sodaß   ich   mich   vor   mir   selbst   erschreckte   und sogar   zeitweilig   fürchtete   –   aber   eines   Tages hatte ich die perfekte Lösung. Ich   mußte   allerdings   vorsichtig   sein   und   den Tag   ihres   Dahinscheidens   sehr   gut   vorbereiten, musste   geduldig   und   sehr   achtsam   sein,   jede Kleinigkeit   bedenken.   Dann   würde   mein   Plan funktionieren.   Dieses   Wissen   darum   versetzte mich   in   eine   ungeahnte   Hochstimmung,   was sie   mir   auch   sofort   ansah.   In   den   folgenden Wochen beobachtete sie mich argwöhnisch. Sie     ging     wohl     davon     aus,     ich     hätte     eine Freundin,    denn    bei    uns    war    auch    im    Bett schon   lange   Schweigen   eingekehrt.   Sie   war   um eine    Ausrede    nie    verlegen,    damit    DAS    nicht geschah.   Irgendwann   gab   ich   auf   und   es   war mir     auch     nicht     mehr     wichtig,     mit     ihr     zu schlafen   –   obwohl   sie   eine   sehr   attraktive   und gepflegte     Frau     war,     was     einigen     meiner Kollegen nicht entgangen war.
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